Werkkreis Literatur der Arbeitswelt in OB
Donnerstag 09 Mai 1985, in: 1985
 „Wat willße inne Toscana?"
„Wat willße inne Toscana, Alter / Komm zu uns! Bei uns im Pott bruzzelt das Feinste vom Feinsten" beginnt ein Gedicht des geburtigen Oberhauseners Eberhard Kirchhoff; „feines" aus der literarischen Küche servierte der Werkkreis Literatur der Arbeitswelt in der Ruhrwerkstatt-Kneipe Hafkesbrink interessierten Gästen, vor allem aber den Jugendlichen aus den Werkstätten. Nach der Veranstaltung meinte Ulrich Land (Bild links), Lehrer aus Berlin und Lesender in Sachen Kürzestprosa, der Werkreis habe bislang vor allem vor Gewerkschaftern gelesen, es hätte ihn sehr gefreut, vor jugendlichen Literatur vorzustellen.
Nicht bis in die Toscana führt den Werkreis Literatur der Arbeitswelt seine Revue zum 15jährigen Bestehen und zum 50sten in der Fischer-Werkkreis-Reihe erschienenen Buch, nur quer durch die Bundesrepublik. Dennoch eine reichlich streßige Mammuttour: Fast 30 Städte werden besucht, im Vordergrund steht das Bemühen, Literatur näherzubringen, die sich mit Problemen der Arbeitswelt auseinandersetzt.
Hervorgegangen ist der Werkkreis aus der Dortmunder Gruppe 61; nach der Reportagen-Veröffentlichung „Ein Baukran stürzt um" konstituierte sich der Kreis, der der Dortmunder Gruppe ankreidete, den Kontakt mit der Basis verloren zu haben. Auch in Oberhausen gab es einen Werkkreis, der heute allerdings „eingeschlafen" ist. Dies ist der zweite Grund für die Tournee der Schriftsteller.
Ulrich Land: „Wir müssen bemüht sein, das Netz der Werkstätten zu verbinden, teilweise haben wir da Problemel Vor allem die Mitarbeit von Arbeitern ist natürlich schwierig, da sie meist wenig Zeit haben." Eberhard Kirchhoff (auf unserem Bild rechts) kam mit seinen Arbeiten bei den Jugendlichen sehr gut an: Lyrik, Geschichten aus dem Pott. Herbert Henseler (2. v. r.), Betriebsrat bei BASF Ludwigshafen, stellte Kurzgeschichten vor: Zachze sang „Lieder gegen die Wände".
La./waz-Bild: Winkelmann: WAZ, Oberhausen, 9.5.1985

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